Lars, der Bauarbeiter

Sonntags morgens, so gegen fünf Uhr, stieg auf der Reeperbahn irgend so ein verrückter Kerl in mein Taxi ein. Er wollte gerne in den Krohnskamp - "Kein Problem!" dachte ich und fuhr los. Noch gar nicht weit gefahren, fragte mich mein Fahrgast, der übrigens Lars hieß, ob ich tausend Mark wechseln könne. Worauf ich nur antworten konnte, daß ich weder wüßte, wie tausend Mark geschrieben wird, noch wie so'n Schein aussieht. Selbst einen 500er könnte ich erst wechseln, wenn er mit mir nach Bremen oder so fahren würde, fügte ich noch hinzu. Naja, er meinte, daß wir die 1.000 Mark wohl in einem Hotel oder einer Tankstelle wechseln könnten. Wenn nicht, dann könnte ich ihn ja auch umsonst fahren... Japp, alles klar, dachte ich, mit der Antwort: "Das ist aber ein schlechter deal."

 

Die Fahrt ging mit irgendwelchen schrägen Geschichten die ganze Zeit so weiter. Unter anderem auch, daß ihm am Abend drei oder vier Leute überfielen und ihm entspannte 950,- Mark klauten. Tja, und warum hat er noch 1.000 DM ??? Die liegen zu Hause, wie ich dann noch erfuhr. Ich habe mich dann schon mental darauf vorbereitet, daß er wohl nicht bezahlen würde und da er doch recht friedlich war, nahm ich mal an, daß er jetzt nicht versuchen würde, 950,- von mir wieder zu bekommen. Ehrlich gesagt, war ich schon kurz davor, eine Funkbetreuung zu fordern. Hierbei fragt mich die Funkerin in regelmäßigen Abständen, wo ich bin und ob ich bin...

 

Als ich dann bei Lars im Krohnskamp ankam, stand auch zum Glück ein Taxi am 50 Meter entfernten Taxistand. Wenigstens ein Kollege, der unmittelbar in der Nähe war. Lars stieg nun also aus, um die 1.000,- Mark zu holen und ich stoppte sicherheitshalber die Uhr, damit die Fehltour nicht allzu hoch ausfällt. Tja, da stand ich nun am Sonntagmorgen....5 Minuten.....10 Minuten......15 Minuten....man, bin ich naiv....! Schließlich war es mir dann doch zu blöd und ich entschloß mich, meinen Frust über Funk loszuwerden:

"sechs eins sieben mal bitte..." - "Ja sechs eins sieben...?"

"Ich hab da so ein Fahrgast, der sich für rund 25,- Mark in den Krohnskamp fahren ließ und nicht bezahlte, was mach ich denn jetzt? Soll ich nach Hause fahren?"

"Wissen Sie wie er heißt?" - "Japp, er heißt Lars H. und wohnt Nr...."

Dann war funkstille.... Oh, was sah ich !!! Das Treppenhauslicht ging an und sein Licht in der Wohnung war aus. Er kam runter! "617 nochmal...!"

"617...?" - "Er kommt runter!" - "Und ich hatte schon den Hörer in der Hand!" - "Danke von 617. Mal gucken, ob wir den 1.000 Markschein gewechselt bekommen."

Tja, da kam er mit den 1.000 Mark und einer Tüte mit Bier wieder runter. Uhr an und ab zur Tanke !

 

Die Tankstelle konnte tatsächlich den 1.000er wechseln und was soll ich sagen: "ich hatte ein scheiss Glück mit ihm, denn es ging weiter nach Poppenbüttel !!!"

Wir verstanden uns gut, erst recht, als er dann schließlich mit seinem Bier in der Hand einschlief.

In Poppenbüttel angekommen brauchte ich dann zwar 5 Minuten, bis er wach war, aber er gab mir dann 60 Mark und alles war bezahlt.

 

Na bitte, so kann man sich irren... Im nachhinein hatte ich aber viel Spaß, auch wenn der Adrenalinspiegel teilweise etwas anstieg...