Nachtwunsch von Jakob Welik

01.06.2004:
Jakob Welik aus Bremen

Bildend, gezogen von Nichts, genommen vom Licht. Nachtwunsch. Dein Nachtwunsch

 

Der Regen rieselte auf ihren Regenschirm, wo sie allein mit ihm an einer Haltestelle auf den Bus wartete. Der Himmel nahm seine helle Farbe vom Tag und lud den Mond ein, die Nacht brach ein. Die Vögel zwitscherten nur noch flüsternd in ihren Nestern. Eine seltsame Atmosphäre umgab sie, irgendwie fühlte sie sich allein, allein heute Nacht.

Sie schaute nach rechts wo die Strasse in der Weite hinunter in die Stadt mündete. So befand sie sich auf einer Wölbung aus Bäumen, Laternen und den Gesängen des Radios eines Taxis. Ihre langen schwarzen Haare endeten in einem Zopf, wobei das Haar auf der Schulter lag.

 

Der Taxifahrer war Mitte vierzig und beobachtete die junge Frau in ihrem dunklen Anzug, deren Farbe er nicht erkennen konnte. Eine Zigarette zwischen den Lippen hinderte ihn beim sehen denn der Rauch im Taxi verbreitete sich. Ich möchte gern wissen auf wen sie wartet. Sie guckte ihn an, schnell suchte er nach etwas anderem, wo sie dann dachte er sehe nicht auf sie. Doch dann wendete sie den Kopf auf was anderes. Verdammt! , fluchte er leise. Beinah hätte sie mich bemerkt. Aus irgendeinem Grund bildeten sich Schweißperlen auf der Stirn. War er wirklich so nervös? Nur wegen dem einen Blick?

 

Verzweifelnd wartete sie immer noch auf den Bus. Aber er schien nicht zu kommen, und auch die Verspätung ist schon längst ausgelaufen. Was war geschehen? Sie dachte sofort daran dass der Busfahrer diese Haltstelle und ausgerechnet diese, vergessen hat. Will sie immer noch hier lang stehen mit dem Gedanken dass dieser blöde Bus doch noch kommen wird? , sagte er und hielt eine Hand abgestützt am Fenster. Er versuchte sie zu mustern.

 

Etwas raspelte hinter ihr. Erschocken blieb sie angewurzelt stehen und versuchte sich die Angst auszureden. Da ist nichts Jenny. , sagte sie. Außerdem ist hier ein Taxi und dir kann auch nichts geschehen. Langsam drehte sich Jenny um, um wirklich sicher zu sein, dass da nichts ist. Doch wieder raspelte es und sie erschrak sich mehr denn je heute Abend, so das unerlaubt sie auf die Strasse trat.

 

Der Regen legte sich langsam hin, er wurde immer schwächer, dann verschwand er und die letzten Tropfen fielen auf die Fensterscheibe. Endlich! Wer kann das sein? , fragte er sich. Jetzt gab es einen Grund zu ihr zu gehen, oder mit dem Taxi in ihre Nähe zu fahren. Er tat es.

 

Die Tür ging auf, dann wieder schlug sie zu. Er hatte eine blaue Westenjacke und schwarze Jeans, wie Lederschuhe an. Die Zigarette immer noch zwischen den Lippen schwanken, nährte er sich ihr.

Bitte helfen sie mir! , sagte Jenny laut zu ihm und zeigte mit dem Finger auf die Stelle wo das Geräusch herkam. Da ist etwas im Gebüsch. Es raspelte wieder, der Taxifahrer beruhigte sie und ging auf die Stelle zu. Er kämpfte sich zwischen den Bäumen und verschwand aus ihrer Sicht.

 

Nach kurzer Zeit fragte sich Jenny wo er geblieben sei. Da er nichts von sich gab wie das raspeln auch nicht aufgehört hatte. Sie guckte sich um. Doch nur ein Taxi mit Innenbeleuchtung stand neben ihr, mit laufendem Motor. Ihre Angst stieg jede weitere Sekunde, je mehr sie darüber nachdachte was mit ihm passiert wäre. Oder auch war!

Aber zweifeln sollte man nicht, nicht in einer solchen Situation. Schließlich haben wir dann noch eine gewisse Rettung. Das Taxi! Sie ging zum Taxi, nein sie ging schnell und öffnete dann die Tür. Innen war das Licht recht angenehm und der frische Geruch von Äpfeln und Zitronenblätter, schien recht gemütlich die Atmosphäre zu gestalten. Die Tür ging zu.

Wo bleibt er denn? , beide Hände am Lenkrad. Der Regenschirm lag auf dem Beifahrersitz, nass wie er war.

Von der Geduld hatte sie nicht viel, so wuchs ihre Aufregung in jeder Sekunde. Und die Sekunden selbst weilten in der Zeit.

Doch Jenny gab nicht auf und schaute die ganze Weile lang auf das Gebüsch wo er verschwand. Dann plötzlich hörte sie Geräusche im Taxi. Noch mehr mit Schreck und Angst vertieft guckte sie sich um. Auf den Hintersitzen befand sich niemand, der Beifahrer war ihr Regenschirm. Sonst saß niemand außer ihr im Taxi. Als sie sich geradewegs wieder hinsetzte, blickte sie nach links und sprang auf. Den Schmerz der sich im Kopf wiedergab, nahm sie nicht wahr und kreischte so laut sie nur konnte.

Die Gestalt versuchte die Taxitür aufzukriegen. Doch es misslang ihm, denn Jenny verriegelte sie sofort. Ohne aufzugeben versuchte er durch die Hintertür ins Taxi zu gelangen, doch wieder mal war Jenny durch ihre angst schneller als er und ließ die restlichen zwei Türen nicht aus den Augen. Sie wollte nur noch eines - nach hause. Weg von hier und das schnell!

Aber die merkwürdige Gestalt gab ebenfalls nicht auf und klopfte am Fahrerfenster. Machen sie bitte die Tür auf! , die Stimme war drin betäubt und Jenny nahm nicht richtig wahr, was es ihr sagen wollte. Bitte machen sie die Tür auf! Und lassen sie mich rein!

Es war zu dunkel um zu erkennen wer es überhaupt war. Und das noch mit Jennys Angst!

Sie spürte wie die Gestalt ihr nichts anhaben konnte, aber immer noch klopfend gab sie nicht auf, Jenny nährte sich langsam dem Fenster. Dann sah sie das Gesicht des Fahrers, das sie nur flüchtig wieder erkannt hatte. Was? , sie schluckte und schob den Riegel wieder nach oben.

 

Aufgeregt und panisch machte der Fahrer die Tür auf und guckte Jenny wütend an. Was denken sie eigentlich, was sie da tun?! , schrie er auf sie. Es tut mir leid! , antwortete ihm Jenny mit gleichem Ton. Sie wollten bestimmt von hier abhauen oder? Und dabei mein Taxi stehlen. Raus! , befahl er ihr.

Jenny griff nach ihrem Schirm und stieg aus. Entschuldigend sah sie ihn an, wendete sich und ging wieder zu der Haltestelle, wobei sie den Schirm öffnete.

Eilig stieg er in sein Taxi und knallte die Tür. Suchend nach einem Verbandkasten, schmerzte ihm das Gesicht. Scheiß Äste! , fluchte er, seine Stimme war nicht zu überhören. Nie wieder! , schrie er. Er nahm Salbe und Verbandszeug aus dem Kasten und verarzte sich eigenständig. Nach dem er seine Stirn umband, ließ er kleine Papierstücke auf die kleinen Wunden kleben und verarzte seine linke Hand. Nie wieder!

Jenny stand da und guckte ihn wütend und schuldig zu gleich an. Ihre Grimasse war furcht einlösend. Typisch Taxifahrer! , fluchte sie auch noch. Nie können sie mit einem ruhig umgehen, nur die Eile! Immer diese Eile! Sie verstummte und setzte sich auf die Bank.

 

Er erinnerte sich noch kurz was geschehen war und fühlte sich nun Schuldbewusst. Ich hätte sie nicht anschreien sollen. Verdammt! Er ließ das Taxi warm laufen und rollte langsam zu ihr.

Jenny versuchte ihn zu ignorieren, das Taxi zu übersehen, doch sie schaffte es nicht. Er hielt vor ihren Augen an und kurbelte das Beifahrerfenster hinunter. Einen Moment guckten sie sich an. Jeder dachte dass er schuld war, aber keiner von ihnen machte sich schuldig. Noch bevor Jenny den Mund aufmachen konnte, unterbrach er sie. Es tut mir sehr Leid mit vorhin. Wenn sie wollen bringe ich sie nach hause. Sie sollten wissen, dass auf diesem Weg schon seit Jahren keine Busse mehr halten. Immer noch unsicher guckte sie ihn an.

Na gut! , meinte Jenny entschlossen. Sie stand auf und zog ihren Schirm zusammen. Er machte ihr die Tür auf und sie stieg ein. Sie haben mich erschreckt, da ich dachte dass sie nicht mehr zurückkommen werden. So entschloss ich ihr Taxi als Zuflucht zu nehmen. Es tut mir Leid wenn ich sie erschreckt habe. Der Fahrer schüttelte den Kopf. Nein. Er wartete kurz. Ich muss mich bei ihnen entschuldigen. Denn ich habe nämlich keinem Gangster oder so gefolgt, nur einem Hasen. Er fing an zu kichern. Einen Hasen? , fragte Jenny und lachte dann auch. Ich bring sie jetzt Heim. , sagte der Fahrer und fuhr los.

 

Sie waren nur zehn Minuten unterwegs, wobei sie sich näher kennen lernten. Sie lachten viel und erzählten über dies und das, über Sachen die wirklich komisch sind und über ihr alltägliches Leben. Dann war es vorbei und auf dem Tacho stand; 10 . Sie waren nun da angelangt wo sich Jenny zu hause fühlte. Aber was war denn los mit ihr? Jenny gab ihr Portmonee zum Vorschein, sofort lehnte der Fahrer Marco das Geld ab. Aber?! Sie sah ihn an. Wollen sie das Geld nicht? Es ist doch ihre Arbeit und dafür werden sie auch bezahlt. Jenny legte trotzdem den zehner in seine Handfläche. Nein, bitte lassen wir das. Er hielt inne, dann folgten Herzzerreißende Sätze. Ich weiß nicht wieso aber... Er war schüchtern ihr gegenüber. ...aber, ich habe mich auf irgendeine Weise in sie verliebt! Die letzten Worte klangen schnell, laut und doch waren sie nicht zu überhören. Jenny saß wie angewurzelt da, sie konnte keinen Ton von sich geben, so wie sie da saß. Wir kennen uns aber nicht. Ich mein. Ähm. Sie kennen mich nicht einmal. , sagte sie stockend.

Das ist dennoch nicht schlimm, oder? Ich mein das können wir doch auf ein Abendessen verschieben. , sagte Marco ernst. Sie guckte auf die Haustür, das Licht brannte noch im Hause. Na gut. Ich gebe ihnen meine Nummer.

 

Er holte schnell sein Handy hervor und sie nannte ihm die Nummer. Um vergewissert zu sein dass es die richtige war. Wählte er ihre Nummer und ihr Handy spielte eine wunderschöne Melodie. Die genau solch eine Geschichte wiedergab, wie sie heute sich ereignet hat. Wie sich zwei Menschen auf merkwürdige Weise kennen lernten und nun zusammen, ähm ja, sich im ewigen Bund vereinten.

 

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