Überfall

01.01.2002:
Wolfgang Raker aus Recke/Bremen

Nun, im Leben eines Taxifahrers wird einem irgendwann von einem Fahrgast die Frage gestellt: "Und, habense keine Angst in dem Job? Man hört ja soviel..."

Gott sei Dank (und das meine ich so) bleibt dies den meisten von uns erspart. Der Eine oder Andere holt vielleicht mal die Grünen, weil ein Gast nicht bezahlen will, oder man setzt einen Fahrgast `raus´, weil der stänkert. Mir ist es vor ungefähr drei Jahren passiert, Fahrgäste wollten mich regelrecht zusammenhauen... Aber von vorn!

 

Februar 1999, Eiseskälte in Osnabrück, gefrorene Strassen, Auffahrunfälle. Auf dem Display "Rübenzahlerweg (anonymisiert), Kneipe, Schrebergärten" Nach dem ruhuigen `Stehabend` immerhin etwas, dachte ich, Bestätigung gedrückt und los.

 

Der Rübezahlerweg ist eine Seitenstrasse, die von einer bekannten Ausfallstrasse abzweigt und auf einen Platz vor einer Schrebergaststätte endet. Links und rechts Mehrfamilienhäuser, festgefahrener Schnee. An der Kneipe angekommen steht da zunächst keiner, und hier `rauszugehen ist nicht ungefährlich, weil das Viertel in der Nähe einer Siedlung liegt, das selbst die Polizei nur mit Hunden betritt. Zumindest im Dunkeln. Die Bewohner gehören zu einer `problematischen Bevölkerungsgruppe mit z.T. erheblicher krimineller Energie..." wenn sie wissen, was ich meine. Politisch korrekt ist das ja nicht, weil es sowas ja nicht gibt, allenfalls in den Köpfen rassistischer usw. usw.

 

Ich gehe trotzdem `rein und melde "Taxi !" Drei Gestalten, junge Typen von etwa 20 - 25 bewegen sich langsam auf den Ausgang zu. “Kommen sofort !" Ich gehe zurück, und wenig später steigen drei junge Kerle ein, einer vorne, zwei hinten. "Fährste eben zur Shell Tanke an der Lotter Strasse, müssen noch n bisschen Bier holen ?!" - "Klar, warum denn nicht ?!" Ich gebe den Zielcode ein und los geht`s.

 

Als ich langsam vorwärts tuckere, würgt einer der Typen hinten und gibt Laute von sich, als wolle er sich übergeben oder in den Wagen spucken. "Kotz mir nicht den Wagen voll !" kriege ich noch gerade über die Lippen, als mich von hinten eine Faust am Kopf trifft. "Raus, aber sofort !" entgegne ich und gehe in die Eisen. Die Drei reissen die Türen auf, der Kerl vorne haut ab, die hinten springen nach vorne, versuchen, mich aus dem Wagen zu zerren. Die Türen hinten zu, ziehe ich die rechte Vordertür auch zu und verriegel, währen die Fahrertür offensteht. Ich trete mit aller Kraft gegen die Typen, die mit aller Gewalt auf mich einschlagen und rauszuzerren versuchen. Ich lehne mich soweit nach hinten in Richtung Beifahrersitz, wie es geht und drücke die Taste für den Funk. Bis die Zentrale das Funkfenster geöffnet hat, vergehen normalerweise Minuten. Ich habe Glück.

"City 1-0, was gibt`s ?"

"Ruf die Polizei, ich werde gerade angegriffen !"

Offensichtlich hat sie nicht gezögert,und es dauert keine drei Minuten, als ich die Martinshörner höre. Mittlerweile hatte ich auch die Alarmanlage ausgelöst, und die Anwohner müssten eigentlich scharenweise aus den Betten gefallen sein. Sind sie aber nicht!

 

Die Polizei brettert auf den Platz, die Jungs suchen kurz vorher das Weite. Die ganz große Nummer, Kombi mit Hunden, mehrere Beamte. Ich gebe kurz wieder, was passiert ist, und die Freunde und Helfer durchsuchen das Gelände. Niemand ist zu finden. Müssen irgendwo `reingegangen sein.

 

Die Beamten nehmen die Personalien auf und bitten mich, am Montag zur Kripo am Kollegienwall zu kommen, um Fotos anzusehen. Ich hab das am Montag gemacht, konnte aber niemanden zweifelsfrei erkennen.

 

(c) 2002 by Wolfgang Raker