Alltagsrassismus?

01.01.2002:
Zapijo aus Linz a.d. Donau, Österreich

Meine heutige Geschichte erlebte ich mit einem Kollegen bei einer Fahrzeugüberstellung (1Taxler fährt mit dem Kfz des Kunden und ein 2ter mit dem Taxi hintennach). Am Ideotenhügel (Umgangssprache für ein Discocenter) totale Hektik, blaue Funkgruppe (Polizei) voll in Fahrt, um kleinere ethnische Konflikte zu Schlichten. Albaner gegen Serben, Chinesen gegen Afrikaner, usw., halt ihr Allnachtsgeschäft. Übernehme mit einem Kollegen eine Fahrzeugüberstellung. Super!!

 

Es stellt sich dann heraus, der Fahrgast blunzenfett (sehr stark alkoholisiert) hat soeben seinen Weisel (Führerschein) bei den Grünröcken (Bullen, blaue Funkgruppe, usw.) einsam zurück´lassen müssen. Der Arme, mir tut er überhaupt nicht leid, meint zu Unrecht, er könne noch fahren und nur weil er schwarz wäre und ein bischen (mit einem blutigem Cut am Auge??) gerauft habe könne man daß nicht machen. Wir Österreicher wären doch alles Rasisten, oder? Nun versuchte ich ihm halt zu Erklären, daß es dabei um den Alkohol und nicht um die Hautfarbe ginge. Er solle halt verstehen, daß er sich nicht nur selbst sondern auch andere Gefährde. Nein, schuld sei nur seine Hautfarbe und überhaupt (mittlerweile am Fahrziel angekommen) habe er kein Geld und bezahlt morgen. Über Handy Grünröcke rufen und dabei zusammen mit meinem Kollegen den Kontakt mit dem Nichtzahler nicht zu verlieren sind Übungen die man auf keinem Berufsseminar lernt und trotzdem beherscht. Weil die folgenden 5 minuten dann hektisch werden.

 

Zwischen Beschimpfungen (Rassist, Nazi, usw.), Abwanderungsgelüsten und Distanz halten gegen körperliche Attacken, hat doch kaum jemand Zeit nachzudenken, ob man jetzt schön langsam seine Beherrschung verlieren soll und ihm eine über die Rübe (Kopf) ziehen soll oder doch noch warten kann. Doch inzwischen kommen auch die Freunde und Helfer und nehmen ihn einfach mit. Kohle am nächsten Tag auf der Wachstube.

 

Soweit, sogut doch das dicke Ende 2 Tage später in einer eher wenig beachteten Tageszeitung: Taxilenker lassen farbigen Fahrgast verhaften! Der Alltagsfaschismus hat zugeschlagen! Dafür aber kein Wort über Zechbetrug, Beschimpfungen oder Bedrohungen. Also doch ein starkes Stück?? Oder doch nur die Hautfarbe??

 

Bemerkung von Zapijo: Für meine Kollegen und mich persönlich sind alle Fahrgäste gleich solange sie sich in einem gewissen Rahmen bewegen.